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Der ganze Gubler

Max Gubler (1898 - 1973) galt bis in die 1960er Jahre als „einziges Genie der

Schweizer Malerei“. In den 1950er-Jahren war er der in der Schweiz wohl am meisten
ausgestellte und gefeierte Gegenwartskünstler, dem auch Max Frisch und Friedrich
Dürrenmatt grösste Verehrung entgegenbrachten. Und doch liess sich sein Schaffen
noch nie als Ganzes beurteilen, denn sein Spätwerk wurde unter Verschluss gehalten -
bis vor kurzem. Die Ausstellung «Max Gubler. Ein Lebenswerk» ermöglicht jetzt zum
ersten Mal einen umfassenden Blick auf das fulminante malerische Œuvre von Gubler.

Keine andere Schweizer Künstlerpersönlichkeit des 20. Jahrhunderts ist so kontrovers beurteilt

worden wie der Maler Max Gubler. Das Urteil über Gublers Oeuvre reicht vom höchsten Superlativ
in puncto Qualität und Anspruch in den 1940er- und 1950er-Jahren bis zu dessen totaler
Relativierung und Degradierung nach seinem Tod. Zu Lebzeiten wurde Gubler als der Schweizer
Van Gogh und der Schweizer Edvard Munch apostrophiert und hat die Schweiz an der Biennale in
Venedig vertreten. Von seinem Hauptrezensenten, dem einflussreichen Kunsthistoriker und Autor
Gotthard Jedlicka, wurde er zu DEM Schweizer Maler des 20. Jahrhunderts erklärt. Nach seinem
Tod fielen die Kritiker jedoch schonungslos über Gubler her, dies in Unkenntnis der Werke Gublers
der letzten vier Schaffensjahre. Die Revision dieser Negativwahrnehmung setzte schliesslich Ende
der 1990er-Jahre ein mit der Erkenntnis, dass Gublers Werk im Kontext der „Neuen Wilden“ (in
der Schweiz etwa Martin Disler, Miriam Cahn oder Sonja Sekula) neue Aktualität erhalten könnte.

Unter Verschluss gehaltenes Spätwerk

Einzigartig für einen zu Lebzeiten hochgefeierten Schweizer Künstler im 20. Jahrhundert ist zudem
die Tatsache, dass Gublers Oeuvre bis vor kurzem zweigeteilt war. Es umfasste zum einen das
«offizielle» bis zum Spätherbst 1957 entstandene Werk mit 2‘258 Gemälde. 375 weitere Gemälde,
die Gubler zwischen 1958 und 1961 während seiner physischen und psychischen Krankheit gemalt
hatte, wurden auf Wunsch seiner Erben eingelagert, weil sie diese als nicht ausstellungswürdig
taxierten. 1981 vereinbarten die Erben mit dem Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft
SIK-ISEA in Zürich, dass das Konvolut für die Dauer von 30 Jahren unter Verschluss zu halten sei.
Diese Frist wurde schliesslich bis zum Abschluss der Publikation von Bettina Brand-Claussen und
Peter Cornelius Claussen, die das «unbekannte Spätwerk» wissenschaftlich erforschten, bis
Oktober 2014 verlängert. Kurz nach der Erscheinung des Buches wurde erstmals eine Auswahl aus
dem Spätwerk im Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen von Oktober 2014 bis Februar 2015
gezeigt. Die Ausstellung war aber nicht als Retrospektive angelegt.

Die Wirklichkeit ins Bild bekommen

Das Werk Max Gublers wurde lange Zeit sehr an seiner Krankheitsgeschichte gemessen. Was an
seinen Werken sonderbar, rätselhaft und aussergewöhnlich war, wurde als Zeichen psychischer
Labilität gewertet. Doch Malen im 20. Jahrhunderts ist immer auch eine Auseinandersetzung mit
den Krisen dieser Epoche. Deshalb will die Ausstellung mit etwas über 100 Gemälden aus allen
Schaffensphasen den Blick wieder auf die künstlerische Entwicklung des Werkes lenken. Es gilt
dabei ein fulminantes Œuvre der Moderne neu zu entdecken, das geprägt ist von expressivem
Realismus und dem Ringen darum, die Wirklichkeit ins Bild zu bringen. Gubler hat dabei neue
Formen des Realismus ausgelotet und stiess schliesslich zur Ungegenständlichkeit vor. Gublers
künstlerische Entwicklung wird in sieben Themenräumen veranschaulicht. Die zentrale

Treppenhalle ist dabei seiner Frau Maria gewidmet, die er über 260 Mal gemalt hat. Des Weiteren

ist die Ausstellung in die Themen neusachliches Frühwerk, Figurenbilder, Landschaften,
Selbstporträts, Stillleben und Atelierbilder gegliedert. Augenfällig ist dabei Gublers Arbeiten in

Werkserien. Er spielt ein einmal gefundenes Motiv in bis zu zwölf Variationen durch.

Hochkarätiges Legat der Geschwister Kull als Ausgangspunkt

Ein Ausgangspunkt für den umfassenden Werküberblick ist das Legat der Geschwister Ruth und
Hans-Rudolf Kull, das 2010 in die Sammlung des Kunstmuseums Bern gelangte. Sie haben das
Werk und die Entwicklung dieses Malers mit grosser Anteilnahme und Begeisterung begleitet und
eine Sammlung mit herausragenden Werken zusammengetragen. Ihnen ist deshalb die
Ausstellung gewidmet.

Kontakt: Brigit Bucher, brigit.bucher@kunstmuseumbern.ch, T +41 31 328 09 21
Bilder: Marie Louise Suter,
press@kunstmuseumbern.ch, T +41 31 328 09 53

 

Die Ausstellung

Dauer: 13.03. - 02.08.2015

Eröffnung: Donnerstag, 12.03.2015, 18h30

Kuratoren: Daniel Spanke (Kurator Kunstmuseum Bern), Beat Stutzer (Gastkurator) Eintritt: CHF 18.00 / red. CHF 14.00

Der Katalog


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Max Gubler. Ein Lebenswerk
                                       

Hrsg.Kunstmuseum Bern, Matthias Frehner,
Daniel Spanke und Beat Stutzer,
Mit Beiträgen von Bettina
Brand-Claussen/ Peter Cornelius
Claussen, Matthias Frehner, Hannah
Rocchi, Daniel Spanke und Beat
Stutzer. Gestaltet von Guido
Widmer, Leinenband, 256 Seiten,
ca. 220 Abbildungen. Verlag Scheidegger & Spiess AG, Zürich.
ISBN 978-3-85881-454-8

Das Rahmenprogramm

Öffentliche Führungen: Sonntag, 11h: 22. März / 12. April / 17.Mai / 7. Juni / 5. Juli / 2. August
und Dienstag, 19h: 31. März/23. Juni /21. Juli. Ausstellungseintritt genügt, Anmeldung nicht
erforderlich Öffentliche Führung mit dem Kurator Daniel Spanke: Sonntag, 3. Mai, 11h.
Ausstellungseintritt genügt, Anmeldung nicht erforderlich Gesprächsrundgang: «Irre modern»:
Dienstag, 23. Juni 2015, 19h. Rundgang durch die Ausstellung mit Daniel Baumann, Direktor
Kunsthalle Zürich, vormals Kurator der Adolf Wölfli-Stiftung, und Daniel Spanke, Kurator der
Ausstellung. Ausstellungseintritt genügt, Anmeldung nicht erforderlich Volkshochschulkurs:
Mittwoch, 15h - 16h: 22./29. April, 6. Mai. Anmeldung: Volkshochschule Bern, T 031 320 30 30,
info@vhsbe.ch, Kosten: CHF 60.00 für 3 Mal